INFOBRIEF 01-12

Lüftung und Schimmelpilzbildung (DIN 19466)


Das Thema Lüften und Nutzerverhalten bei Schimmelpilzbildungen in Wohnräumen ist trotz oder gerade wegen der Anforderungen der EnEV ein Dauerthema zwischen Mietern und Vermietern.

Der Sachverständige kann durch bauphysikalische Kenntnisse und Ursachenforschung vor Ort bereits Bewertungen abgeben und somit zur Klärung des Sachverhaltes beitragen.

Bei einer Vielzahl der Streitigkeiten kann diese Begutachtung bereits im Vorwege zur Klärung beitragen.

Die neue DIN 1946-6 zur Lüftung von Wohnungen soll dazu führen, dass geplante Sanierungs-maßnahmen nicht zur Verschlechterung des Wohnklimas und somit zur Erhöhung des Schimmelpilzrisi-kos beitragen.

Durch energetische Sanierungsmaßnahmen wird die Dichtigkeit der Gebäudehülle zum Zwecke der Energieeinsparung deutlich verbessert.

Hierdurch wird jedoch die Luftwechselrate durch die sogenannte Infiltration deutlich herabgesetzt. In der Folge steigt die Luftfeuchtigkeit in den Wohnräumen an und es kommt zu tauwasserbedingten Schimmel-pilzbildungen.

Die DIN 1946-6 verlangt daher, dass bei einem maßgeblichen Eingriff in die Dichtichtigkeit der Gebäudehülle z.B. beim Austausch aller Fenster einer Wohnung, ein lüftungstechnischer Nachweis erstellt wird. Der für den Nachweis erforderliche Luftwechsel kann durch den Einbau von Falzlüftern in den Fenstern oder durch den Einbau einer mechanischen Lüftungsanlage sichergestellt werden.

Liegt dieser Nachweis bei einem Schaden nicht vor, ist das Gebäude bzw. die Wohnung mit einem Mangel behaftet und der Mieter aus der Verantwortung.

Wozu muss überhaupt gelüftet werden.
Mit Hilfe der nachfolgend dargestellten Berechnung soll der Zusammenhang zwischen Gebäudedichtig-keit und steigender Luftfeuchtigkeit dargestellt werden. Weiterhin trägt die ausreichende Beheizung der Wohnräume maßgeblich zur Effizienz der Lüftungsintervalle bei.

Dieses wird dadurch begründet, dass kalte Luft wesentlich weniger Luftfeuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. In der Folge kommt es beim Lüften nicht zu einem ausreichenden Feuchtigkeitsabtransport und die durch die Nutzer produzierte Feuchtigkeit reichert sich in der Raumluft an.

Rechnerischer Nachweis:

Normales Wohnklima
Raumtemperatur 20°C, Luftfeuchtigkeit 60% rel. F, Wohnungsgröße ca. 60 m²,
Raumhöhe ca. 2,50 m, Volumen 150 m³ Raumluftvolumen.
Außentemperatur gewählt + 5°C, Luftfeuchtigkeit 80% rel. F.
Sättigung 6,8 g/m³ bei 150 m³ = 1.020 g x 80% = 816 g

Diese Luft wird erwärmt auf 20°C und 60% rel. Luftfeuchtigkeit.
Sättigung 17,3 g/m³ bei 150 m³ = 2.595 g x 60% = 1.557 g.

Je Luftwechsel werden somit 1.557 g – 816 g = 741 g Wasserdampf abgeführt
Der Luftaustausch erfolgt über zwei Wege.

1. Natürliche Lüftung
Normale Fugenlüftung: 0,3 Luftwechsel / Std. x 24 Std. = 7,2 Luftwechsel
7,2 Luftwechsel x 741 g / Luftwechsel = 5.335 g / Tag.
Differenz 6.000 g / Tag bei zwei Pers. - 5. 335 g / Tag = 665 g / Tag.

2. Fensterlüftung
Diese Differenz muss der Mieter durch Fensterlüftung (vollständiger Luftwechsel) abführen. Bei einer Querlüftung (zwei Fenster in zwei Räumen vollständig geöffnet) werden hierfür 2-4 Minuten benötigt.

Was geschieht bei unzureichender Beheizung ?
Raumtemperatur 17,5°C, Luftfeuchtigkeit 60% rel. F, Wohnungsgröße ca. 60 m²,
Raumhöhe ca. 2,50 m,Volumen 150 m³ Raumluftvolumen.
Außentemperatur gewählt + 5°C, Luftfeuchtigkeit 80% rel. F.
Sättigung 6,8 g/m³ bei 150 m³ = 1.020 g x 80% = 816 g.

Diese Luft wird erwärmt auf 17,5°C und 60% rel. Luftfeuchtigkeit.
Sättigung 14,9 g/m³ bei 150 m³ = 1.920 g x 60% = 1.152 g.

Je Luftwechsel werden somit 1.152 g – 816 g = 336 g   Wasserdampf abgeführt !!!

1. Natürliche Lüftung
Normale Fugenlüftung 0,3 Luftwechsel / Std. x 24 Std. = 7,2 Luftwechsel.
7,2 Luftwechsel x 336 g / Luftwechsel = 2.419 g / Tag.
Differenz 6.000 g / Tag bei zwei Pers. - 2.419 g / Tag = 3.581 g / Tag.

2. Fensterlüftung
Diese Differenz muss der Mieter durch 11-maliges lüften ( vollständiger Luftwechsel ) abführen.

Nach der gültigen Rechtsprechungen ist eine 2-3 fache Belüftung der Wohnräume als maximal zumutbar anzusehen.

Fazit
Die Berechnung zeigt deutlich, dass maßgeblich eine ausreichende Beheizung der Wohnräume zur mangelfreien Nutzung beiträgt. Die erforderlichen Lüftungsintervalle können jedoch nur durch ein schlüssiges Lüftungskonzept z.B. durch Fenster- Falzlüfter sichergestellt werden. Die Begleitung einer bevorstehenden Sanierungsmaßnahme sollte auf Grund der Komplexität dieses Themas daher zwingend durch einen Sachverständigen oder Energieberater erfolgen. 


INFOBRIEF 01-12
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